Gedanken zum Monat
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,
in diesem Monat feiern wir mehrere Feste: in der Mitte das Pfingstfest, am Anfang die Erstkommunion und am letzten Tag das Fest der Heiligen Firmung. Die Jugendlichen haben uns Briefe geschrieben, in denen sie den Firmkurs überblicken und mitteilen, was sich bei ihnen getan hat. Ich freue mich, dass ich immer wieder lesen kann: Ich möchte mich und meinen Glauben weiterentwickeln. Ich möchte mich engagieren… Mir kommt ein Erlebnis in den Sinn, das der Exerzitienbegleiter Peter Dyckhoff aus seiner Kindheit erzählt hat: 1945 war er acht Jahre alt; die Familie war ausgebombt und lebte sehr beengt bei den Großeltern. Da kehrt der Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er sieht seinen Jungen, verängstigt durch den Krieg und die vielen Aufenthalte in den Luftschutzkellern, nun die engen Wohnverhältnisse. Es ist Sommer, und er hat eine Idee: Im Hof baut er zwei Pfähle auf und verbindet sie mit einem Querbalken. An ihnen befestigt er zwei Seile; an die herabhängenden Enden bindet er ein Brett - fertig ist die Schaukel. Dort setzt er Peter hinauf und gibt ihm einen Schubs. Der Junge schreit vor Angst und hält sich verkrampft an den Seilen fest – er kennt keine Schaukel. Aber bald wird er ruhiger. Die Stimme des Vaters ist da, sie gibt ihm Vertrauen, dass es gut ist, dass nichts Schlimmes passieren wird. Er atmet ruhiger und fängt langsam an, das Schaukeln zu genießen. Der Vater stößt ihn intensiver an, so dass er höher fliegt – und dann stellt sich ein Gefühl von etwas ein, was er noch nicht kannte: Freiheit – nach all den bedrückenden Erfahrungen des Krieges – ich bin frei, ich lebe, ich schwebe, wunderbar, es ist eine Freude. Peter bittet den Vater, ihn immer weiter anzustoßen, damit die Bewegung nicht langsamer wird. Aber der Vater tut es nicht; er zeigt ihm vielmehr, wie er es selbst machen kann, die Beine so zu bewegen und Schwung zu holen, dass das Schaukeln nicht aufhört. Eine Erfahrung für das Leben.
Das wünschen wir unseren Jugendlichen und allen Menschen, dieses Gespür: Ich bin frei. Ich darf leben. Jemand hat formuliert: „Es gibt zwei wichtige Momente in deinem Leben: Wenn du geboren wirst und wenn du erkennst, warum.“ – wir können ergänzen: wozu, wofür. Das ist der Moment, wo wir von Gott berührt werden und spüren: mein Leben ist kostbar; es ist so viel darin, was ich noch gar nicht abschätzen kann. Den kleinen Peter hat die Stimme des Vaters beruhigt: Hab keine Angst. So ist Gott. Und auch diese Erfahrung nennen wir den Heiligen Geist: Du musst nicht ständig von außen angestoßen werden, sondern du kannst selbst gehen, sogar „fliegen“, denn der Geist macht alles leichter.
Gesegnete Pfingsten, die Kraft und den Beistand des Heiligen Geistes wünscht Ihnen, gemeinsam mit den Mitarbeitenden
Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle